Goslarsche Zeitung vom 28. Mai 2013

 

Intensiver Beethoven-Abend berührt bis ins Mark

Philharmonie des Theaters für Niedersachsen gestaltet mit dem Chor des Werner-von-Siemens-Gymnasiums Konzert in der Kaiserpfalz

Von Joachim Dürich

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Die TfN-Philharmoniker und der Chor des Werner-von-Siemens-Gymnasiums bilden
gemeinsam eine beieindruckende Schar an Musizierenden. Foto: Dürich

Richard Wagner, der am Mittwoch 200 Jahre alt geworden wäre, hat sich sehr intensiv mit dem musikalischen Schaffen des herausragenden Komponisten Beethoven beschäftigt und dessen Werke inhaltstief beschrieben.

Nun haben die TfN-Philharmonie, Leitung Generalmusikdirektor Werner Seitzer, und der renommierte Opernregisseur und Wagner Kenner Hans-Peter Lehmann einen spannenden Beethoven-Konzertabend kreiert, der in seinen Höhen und Tiefen alle menschlichen Regungen bis ins Mark berührt.

Die bekannte Ouvertüre zu Coriolan, in der ein verblendeter Held charakterisiert wird, der sich gegen die eigene Vaterstadt wendet und dabei unterschiedliche Spannungen erlebt, wurde von Lehmann einfühlsam und klar verständlich deklariert. Passend zu Textpassagen verstärkte das Orchester die Aussagen mit Musisequenzen, bevor dann das siebenminütige c-Moll-Konzert mit kraftvollen Sforzandi und Paukenschlägen begann. Hier deutete sich gleich Arges an, obwohl sanfte Holzbläser und glättende Streicher Versöhnung suchten, dominierten doch die scharfen Bläserspitzen bis zum suizidalen Ende des frevelhaft Wollenden.

Die Kantate "Meeresstille und glückliche Fahrt", op. 112, mit dem beliebten Werner-von-Siemens-Schulchor unter der Leitung von Tibor Stettin, zeichnet da ein wesentlich positiveres Charakterbild. Zarte Solopassagen der klangschönen Chorstimmen sangen vom Leid der Schiffer in der Flaute und sehr ergreifend von der Todesstille.

Im vollen Chorgesang, Dirigat Werner Seitzer, mit zarten Streicher-Tupfern untermalt, bestätigten, ermutigten und ermunterten die 50 Choristen klangtief den Seemann. Dieser bestens gewogene Hochgenuss bestach in verblüffender Präzision und Abstimmung untereinander und zum Orchester besonders in kanonisch terrassierten Wogen so sehr, dass treue Konzertbesucher ihre Freude darüber bis weit in die Pause trugen.

Mit Erläuterungen zu Beethovens 3. Sinfonie, der "Eroica", weckte Lebmann große Erwartungen vor der Pause.

Im 1. Satz durchzieht eine eigentümliche Spannung zwischen Freude und Betrübtsein die Streicher, die von der exzellenten Paukistin fast schon dämonisch verstärkt wird. Im 2. Satz dominieren Trauerthemen, die überaus ergreifend von den Streichern und Holzbläsern zelebriert werden. Der scherzend beginnende 3. Satz fasziniert mit umherjagenden Motiven, die sich sogar im jagenden Hörnerklang gefallen, während dann der Schlusssatz mit weit öffnenden Cello-Pizzikati und kraftvollen Trompeten-Eckpunkten zart fugiert zum klang- und schwungvollen Finale rührt.

Der lange Beifall der 320 begeisterten Zuhörer holte den souveränen und agilen Dirigenten Werner Seitzer sechsmal ans Pult zurück.


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