Artikel der GZ vom 17.06.1995 - geringfügig korrigiert:


Lehrer und ehemalige Schüler spielten im Siemens-Gymnasium Theater

Eine Sketchparade in der Atmosphäre von "Linie 1"

BAD HARZBURG. Wie ehrlich doch Theaterbesucher im Werner-von-Siemens-Gymnasium sind. Da muss sie nur eine Stimme im bestimmenden Beamtenton erinnern, die Eintrittskarten zu entwerten, schon dackeln sie los, um sich ihre Tickets im offensichtlich selbstgebauten Entwerter abzustempeln. Fast wie auf dem Bahnhof. In einen solchen verwandelte eine Theatergruppe aus Lehrern und ehemaligen Schülern am Donnerstag die Schulaula.
Das Werner-von-Siemens-Gymnasium hat eine Theatergruppe. Jahr für Jahr lockt sie mit nie so richtig ernstgemeinten Inszenierungen die Massen. Schön für die Schauspieler. Wenn die jedoch irgendwann einmal die Schule verlassen, müssen sie in der Regel auch ihr geliebtes Theater an den Nagel hängen.
Das wollten einige ehemalige Schülerinnen und Schüler jedoch nicht. Also traten sie nach ihrem Abitur an Lehrer Helmut Meyer mit der Bitte heran, weiterspielen zu dürfen. Meyer war begeistert und konnte sogar noch zwei seiner Kollegen zum Mitmachen bewegen. Die neue Theatergruppe aus Ehemaligen und Paukern war geboren.
Blieb nur noch die Frage, welcher Gestalt das Theaterstück sein sollte. Um was sollte es gehen? Um einen Bahnhof. Warum gerade der unterm Strich heraussprang, weiß Helmut Meyer auch nicht mehr. "Das war Zufall".
In liebevoller Kleinarbeit verkleideten die Schüler ihre Aula. Gleisanzeigen, Zugfahrpläne, ein Zeitungskiosk und natürlich der Fahrkartenentwerter machten aus dem Theatersaal einen mehr oder weniger echten Bahnhof. Also: "Bitte einsteigen - Die Türen schließen automatisch".
Die Schüler hatten sich allerdings nun kein durchgängiges Stück aus den Finger gesaugt. Vielmehr gab es Sketche am laufenden Band. Meist direkt zum Thema passend, manchmal auch einfach nur durchlokalisiert. Heraus kam eine Witzparade inmitten der Atmosphäre von "Linie 1". Besonderes Geschick hatten die Schauspieler bei der Auswahl und Ausstaffierung der Charaktere an den Tag gelegt. Als gebeugte Omas (die sich um Liebhaber streiten), abgedrehte jugendliche (die einem Liebespaar das Happy End verhageln), arrogante Handy-Träger (die sich beschweren, dass die Asche ihres toten Bruders noch warm ist) - Es gab alles, was einem auf normalen Bahnhöfen so über den Weg laufen kann. Dazwischen immer wieder Durchsagen, die streckenweise aus den dunkelsten Ecken des schwarzen Humors kamen.
Den Zuschauern gefiel's. Ob sie allerdings irgendwann noch einmal eine Aufführung der Gruppe erleben können, ist noch nicht sicher. Theoretisch, so Helmut Meyer, sei es durchaus denkbar, dass die Gruppe weitermache. Ohne natürlich in Konkurrenz zur bestehenden Theatertruppe treten zu wollen. Doch konkrete Pläne haben die Schauspieler bisher noch nicht. Der Erfolg ihrer ersten Aufführung wird wohl aber durchaus Einfluss auf die Theaterzukunft der Ehemaligen haben.
hos


 
 
 
 
 



Foto rechts:
Szene aus "Bitte einsteigen!":
Dass er Hannelore liebt, konnte der Herzensbrecher (links) nur per stille Post über die drei Herrschaften in der Mitte an die junge Frau (rechts) übermitteln. Und das ging - bei diesen Typen - voll in die Hose.

Foto: Schlegel

"Stille Post" für Hannelore

   
Regie: Helmut Meyer
   

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