vom 30.04.2004:

Die Pest, der Tod und andere Lebensabgründe


Gelungene Premiere: WvSG-Theater-AG führt die makabre Jugendkomödie „Tod in der U-Bahn“ auf. Heute Abend letzte Vorstellung.

BAD HARZBURG. Jochen hat die Pest. Ausgerechnet in der Untergrundbahn tritt sie auf, sehr zur Beunruhigung der übrigen Fahrgäste. Und dann taucht auch noch der Tod auf ... So geschehen bei der Premiere des Stücks von Frank Gerber „Tod in der U-Bahn“ Mittwochabend. Inszeniert von der Theater-AG des Werner-von-Siemens-Gymnasiums (WvSG).

Deal mit dem Tod
Gestützt von seiner Gattin Judith, torkelt der schwer kranke Jochen in ein Großraumabteil. Sie meint, dass er sich nicht so anstellen solle: „Was sollen denn die Leute denken.“ Die „Leute“ sind besorgt. Dann bricht Jochen zusammen. Schnell wird klar: Er hat sich auf einer seiner vielen Asienreisen mit der Pest infiziert. In Panik zieht Fahrgast Volker Rachow die Notbremse. Doch der gewünschte Erfolg bleibt aus. Zwar kommt die Bahn zum Stehen, aber der Zugführer weigert sich, den Waggon zu öffnen. Er macht lieber Feierabend und übergibt die Schicht an eine merkwürdig gekleidete „Kollegin“. Anstatt die Bahnfahrer zu befreien, steigt die komische Frau zu.
Sie ist der Tod, gekommen, um Jochen zu holen. Allerdings nicht, ohne ihren Deal mit dem Todgeweihten einzulösen: Er darf noch jemanden mitnehmen. Wen wird das Schicksal nach „Hades“ verschlagen: die immer nörgelnde, aber doch herzensgute Judith oder den Unternehmer-Typen Volker, der so selbstsicher wirkt und doch schon lange nicht mehr weiß, wie ein „richtiger“ Mann zu sein hat? Trifft es einen der beiden Schüler, Wolf oder Karl, oder opfert sich gar das nach einer Abtreibung lebensmüde Mädchen? Freiwillige vor…
Mit erfrischender Leichtigkeit treten die Laiendarsteller auf der Bühne in Aktion. Herrlich unbefangen spielen die Akteure ihre Rollen. „In erster Linie steht für uns der Spaßim Vordergrund“, erklärt Jochen-Darsteller Markus Graffenberger treffend. Und Freude hat dabei auch das überwiegend jüngere Publikum, etwa 100 begeisterte Zuschauer. Unterstützt von Claudia Mettge hat AG-Leiter Helmut Meyer mit 17 Schülerinnen und Schülern seit den Sommerferien an der Inszenierung der makaberen Komödie gefeilt. Und dabei erneut einem Stück den besonderen Stempel der WvSG-Theater-AG aufgedrückt: eine Werbeunterbrechung für Sahnejoghurt. Großartig auch, wie in einer Computeranimation zwei Totengräber über ihre Arbeit und das Leichendasein unter der Erde philosophieren.

Anhaltender Applaus
Eingebettet in etwas zu laute Musik, ein farbenfrohes „U-Bahn“-Bühnenbild und ausgesuchte Requisiten hadert schließlich selbst der Tod mit seinem Schicksal…
Lang anhaltender Applaus war dann auch der verdiente Lohn für die Protagonisten und ihr Schauspiel, das heute Abend letztmalig um 19.30 Uhr in der WvSG-Aula aufgeführt wird.

- Jörg Ziegler -

Personen und Darsteller:  
Wolf, Schüler Mareike Islar 
Karl, Schüler Jennifer Kalkhoff 
Mädchen Jessica Herden
Ehefrau Sabrina Steinwand
Ehemann, pestkrank Markus Graffenberger
Fahrer / BVG-Mann Marleen Kostrzewa
Mann Thorben Uchtmann
Tod Clarissa Leu
Erstes Kind des Todes Schekeb Djojan
Zweites Kind des Todes Victor Thrun
Drittes (und etwas missratenes) Kind des Todes Johannes Weinert
   
   
Souffleuse: Lisa Nordhausen
   
Technik:  
Licht: Sascha Vormelker
Spot: Pia Fels
Ton: Jaqueline Wiehe
Rahel Lüps
Coputeranimation: Florian Uhlig
   
Bühnenbild: (letztmalig) Peter Purschke
und diverse Klassen
   
Regie: Helmut Meyer
Claudia Mettge


Der Tod kommt persönlich vorbei.
Szene im U-Bahn-Abteil mit Thorben Uchtmann, Clarissa Leu, Jessica Herden, Mareike Islar, Sabrina Steinwand, Jennifer Kalkhoff und Markus Graffenberger (von links nach rechts).

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