Ein Klavierkonzert mit Mikhail Chalamov

13. Oktober 2005

Dass er regelmäßig im Werner ein- und ausgeht, ist meistens nur denen bekannt, die bei ihm auch Unterricht haben. Gemeint ist der Klavierlehrer Mikhail Chalamov, der mittwochs jungen Schülerinnen und Schülern die richtige Handhabung der schwarzen und weißen Tasten beibringt. Am Abend des 13.10.2005 um 19 Uhr zeigte er im Musikraum des WvS Virtuosität am Klavier. Das Publikum war begeistert.


Und das schrieb die Goslarsche Zeitung:

Chalamow-Konzert im Werner-von-Siemens-Gymnasium

Brillante pianistische Klavierwerke mit Mikhail Chalamov

Ein besonderes Konzert mit erlesenen klassischen Klavierwerken bot der russische Pianist Mikhail Chalamov im kleinen Saal des W.-v.-S.-Gymnasiums am Donnerstag Abend. Die Wahl des Raumes war darin begründet, dass Chalamov wöchentlich aus Hannover kommt, um seine Schüler zu unterrichten. So war es denn auch eher ein familiäres Konzert mit Schülern, Eltern und Lehrkräften der Schule. Das war ein wenig schade, bei dem Spitzenkonzert. Seit Oktober 2002 ist Chalamov Assistent des berühmten Klaviervirtuosen Professor Vladimir Krainev, der auch sein Lehrer an der Musikakademie Gnessins in Russland war und hat selbst ein Lehramt in Hannover.

Der Tatsache, dass seine jungen Schüler zu seinem Konzert gekommen waren, trug er Rechnung mit den ersten beiden Werken des Abends: J.S. Bach's Präludium und Fuge cis-Moll aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers, das als Höhepunkt dieser Sammlung gehandelt wird. Bach verzichtet in beiden Sätzen völlig auf klavieristische Effekte. Der Pianist gestaltete die biblische Thematik weich und konzentriert in kontrapunktischen Linien. Die Fuge mit den vier markanten Tönen: Cis, his, E, Dis, die den ganzen Satz durchziehen mit dynamischen Steigerungen, war ein Genuss in der Klarheit der Durchführung.
Eine heitere Welt mit perlenden Läufen war Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate C-Dur KV 330 mit den Sätzen Allegro moderato - federleicht gespielt - Andante cantabile mit überirdischen Melodien für die Seele und das virtuos, heitere Allegretto, in dem Chalamov Temperament und Spielfreude zeigte.
Ein anspruchsvolles Werk erklang mit Beethovens Sonate As-Dur op. 110, einem romantischen Spätwerk mit espressiven Passagen.
Klage und Überwindung von Leiden kommen musikalisch zum Ausdruck in dem viersätzigen Werk: Moderato-Scherzo-Adagio-Allegro.
Das "Moderato cantabile molto espressivo" ist geprägt von ruhiger Feierlichkeit und phantasievollen Gedanken. Heftig gestaltete Chalamov das Allegro molto, einem Volkstanz zum Fest mit Überraschungseffekten in großer Ausdrucksweise. Gesanglich feierlich der Adagiosatz, der aus Rezitativ und Arioso besteht mit Tonrepetitionen, die das An- und Abschwellen der Gesangstimme nachahmen. Eine tieftraurige, leidenschaftliche as-Moll-Melodie.
Die Fuge mit Beethovens dramatischen Lieblingswendungen in chromatischen Quartsextakkorden. Rauschende Figurationen beschließen das Werk triumphal.

"Schwelgen in Chopin" war im zweiten Teil des Konzertes angesagt.
Fünf große Werke beleuchteten das Schaffen Chopins in der lyrischen Ballade
As-Dur op.47, der feurigen Etüde a-Moll op. 25.Nr.11 mit rasanten Läufen in der rechten Hand - Trompeten gleich; im wunderbaren Nocturno f-Moll op. 55 Nr.1, unnachahmlich hingebungsvoll interpretiert. Stürmisch mit aller Virtuosität erklang das Scherzo h-Moll op.20. Den Schluß der Werke Chopins bildete die Grande Polonaise brillante op.22 mit dem vorangestellten Andante spianato. Hier schwelgte der Pianist und Virtuose in vielfältigen Stimmungen und wurde gefeiert.

Christel Wollenzien-Müller


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(TOLO 10/2005)