Polnisch-deutscher Schüleraustausch

11. - 20. August 2001 in Polen

Ein Reisebericht

Samstag, 11. August 2001

Nach einer anstrengenden Nachtfahrt kamen wir endlich am Warschauer Hauptbahnhof an. Dort wurden wir gleich von unseren polnischen Austauschpartnern begrüßt und einander vorgestellt. Wir machten uns auf den Weg zur Jugendherberge, wo wir kurz unser Gepäck verstauten und dann mit einem mordsmäßigen Hunger die nächste McDonalds-Filiale aufsuchten. Auch wenn Hamburger und Fritten vielleicht nicht ganz das richtige Frühstück waren, das wir uns erhofft hatten, fühlten wir uns danach wesentlich besser und konnten den ersten Punkt unseres kulturellen Programms in Angriff nehmen, den Kulturpalast.

Bedingt durch das schlechte Wetter verbrachten wir dort mehr Zeit als erwartet und betrachteten die polnische Hauptstadt von oben. Als der Regen für einige Minuten nachzulassen schien, stürmten wir einige Straßen weiter ein Shopping-Center, wo wir die Regenzeit überbrücken wollten.

Am Nachmittag machten wir eine Stadtbesichtigung, bei der uns Frau Wronecka alle interessanten Gebäude und Sehenswürdigkeiten insbesondere der Warschauer Altstadt zeigte.  

Sonntag, 12. August 2001

Nach einem kargen Frühstück in unserer Jugendherberge trafen wir uns mit unseren polnischen Austauschpartnern und nahmen die nächste Straßenbahn zum Schloss Wilanow. Dort angekommen erwartete uns ein sehr interessanter Vortrag über die Vorbesitzer und den Erbauer des Schlosses. Als wir unsere Begeisterung kaum noch in Grenzen halten konnten, war die Führung allerdings schon vorbei und  wir beschlossen auf den Vorschlag unseres Lehrers Herrn Ivers hin auch noch den Schlosspark zu besichtigen. Da wir also gerade nichts Besseres zu tun hatten, machten wir noch schnell eine Runde durch die wirklich sehenswerte und gut gepflegte Grünanlage des, vom polnischen König Sobijeski in Auftrag gegebenen Schlosses.

Als wir danach in einem nahegelegenen Restaurant Mittag gegessen hatten, fuhren wir mit der Straßenbahn zum Denkmal des Ghettoaufstandes, wo wir uns über die Vorgeschichte besagten Aufstandes informierten. Danach hatten wir schließlich Zeit, um uns ein wenig zu erholen und uns auf den Abend vorzubereiten, an dem wir zusammen mit unseren polnischen Freunden in die Disco wollten.

Mit frischen Klamotten ausgestattet und ein wenig erholt trafen wir abends im Warschauer Zentrum wieder zusammen und nahmen wieder einmal die Straßenbahn, um zur Disko zu kommen. Nachdem wir vor der Disko noch auf einige Nachzügler gewartet hatten (auf einige vergeblich J), stellten wir schließlich fest, dass wir zu den ersten Gästen des Vektor X gehörten und praktisch die freie Tischwahl hatten. Als wir uns dann auch lange genug am Tisch herumgedrückt hatten, kam der Punkt, an dem sich keiner mehr dem Tanzfieber widersetzen konnte, was dazu führte, dass schließlich alle in einem großen Kreis tanzten.

Nach einem großartigen Abend, an dem wir alle unheimlich Spaß hatten waren wir schließlich noch eingeladen, bei zwei gastfreundlichen polnischen Familien zu übernachten, da unsere Jugendherberge schon geschlossen hatte.

Montag, 13. August 2001

Heute stand die kulturelle Offensive auf dem Programm. Erst einmal fingen wir gemütlich mit dem Warschauer Stadtschloss an. Nach einer ausgiebigen Führung dort waren wir schon auf dem Weg zur Residenz des polnischen Staatspräsidenten, wo uns ebenfalls eine ausgiebige Führung erwartete. Danach entschlossen wir uns erst mal etwas zu essen, woraufhin die Odyssee durch Warschau auf der Suche nach einem angemessenen Imbiss stattfand, die ein mehr oder weniger abruptes Ende in einer PizzaHut-Filiale fand.

Nach dem Mittagessen wurden wir von den uns begleitenden Lehrkräften mit einem ganz besonderen Ereignis überrascht: ein Chopin-Konzert im Stadtpark. Hier ließen wir den Tag dann auch ausklingen und hatten den Rest des Tages frei.  

Dienstag, 14. August 2001

Früh aufstehen und schnell das Zimmer räumen, so lautete unsere Devise. Da wir alle aber in der Nacht zuvor nur wenig Schlaf bekommen hatten, gestaltete sich das schwieriger als wir gehofft hatten. Nachdem alles zusammengepackt war, nahmen wir dann die nächste Straßenbahn zum Bahnhof, wo wir Frau Wronecka und die polnischen Schüler treffen wollten, um gemeinsam nach Ruciana-Nida zu fahren. Die anschließende, mehrstündige Zugfahrt überbrückten die meisten mit dem Nachholen des nächtlichen Schlafes oder mit Kartenspielen.
In unserem Zielort angekommen und nachdem wir unser Gepäck in mehrere Taxen verladen hatten, erwartete uns noch ein kleiner Fußmarsch bis zur Herberge. Dort angekommen bezogen wir sofort die Zimmer und bewegten uns dann Richtung Essensausgabe. In dem großen Speisesaal wurden wir schließlich mit einem, wie man uns sagte, original polnischen Gericht bewirtet, das uns bis auf wenige Ausnahmen sehr gut schmeckte.
Nach dem Essen und einem kurzen Rundgang durch die Umgebung beschlossen einige noch in die Stadt zu gehen, um Postkarten oder Getränke zu kaufen. Wieder in der Herberge angekommen, trafen sich dann alle zu einem gemütlichen Abend im dort entdeckten Pub.
 
Mittwoch, 15. August 2001

Nach unserem Frühstück und nachdem wir uns umgezogen hatten, gingen wir runter zum See, wo unsere Kanus schon bereit standen. Nach einer kurzen Einweisung durch unseren kanuerfahrenen Herrn Ivers versuchten wir mehr oder weniger erfolgreich aus dem Hafen zu paddeln. Doch nach und nach fanden alle Paare zu ihrem Rhythmus und unser Kanu-Trip konnte beginnen. So setzten wir uns dann auch schon in Bewegung, um die Strände und Zeltplätze unseres Sees auszukundschaften.

Einige Zeit später zogen wir alle Kanus mit den Paddeln zusammen und verpflegten uns aus unseren mitgebrachten Lunch-Paketen. Nach einer weiteren Etappe liefen wir schließlich einen Zeltplatz an, wo wir unter anderem ein Feuer machten und Brot rösteten. So gestärkt war es natürlich ein Leichtes, auch den Rückweg ohne Durststrecken zu überstehen.

Am Abend erholten wir uns vom anstrengenden Paddeln schließlich in dem bereits bekannten Pub (wo auch sonst).
 
Donnerstag, 16. August 2001

Früh morgens brachen wir zu einer Wanderung ins Ungewisse auf. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass es sich für einige von uns um einen Gewaltmarsch handelte. Schlimmer wurde es dann noch dadurch, dass wir mitten im Wald die falsche Abzweigung nahmen, weil wir nicht auf die Appelle der polnischen Mädchen hörten. Unseren Fehler bemerkten wir allerdings erst, als wir auf ein Survivalcamp mitten im Wald trafen, wo uns dann gesagt wurde, dass wir die letzten 2km doch wieder zurückgehen müssten. Aber natürlich wussten wir es besser: Wir laufen doch nicht ganze zwei Kilometer zurück, wir sind schlau und laufen am Ufer des Sees entlang, bis wir zum Strand kommen. Tja, unser kurzzeitiger Optimismus hatte spätestens ein Ende, als wir auf ein eingezäuntes Wildgehege trafen, das wir durch einen weiteren Marsch über eine Strecke von 4km umrunden mussten.

Als wir endlich dort angekommen waren, wo wir laut Herrn Ivers überhaupt gar nicht hin wollten, mussten wir uns erst mal mit einheimischen Gerichten stärken und die Beine hochlegen. Nach dieser längeren Verschnaufpause machten wir uns dann langsam auf den Rückweg. Wieder zurück war mit uns allen den ganzen Abend nicht mehr viel los. Unsere polnischen Freunde, denen die Strecke überhaupt nichts auszumachen schien und die wesentlich früher als wir ankamen, machten sich aber gleich wieder bereit unten in der Stadt die Disco aufzusuchen. So ist das Leben.
 
Freitag, 17. August 2001

Heute war unser letzter Tag in Ruciana-Nida und gleichzeitig unser vorletzter Tag zusammen mit unseren polnischen Freunden. Da wir übereinstimmend beschlossen hatten, den Tag einmal ganz ruhig anzugehen, trafen wir uns nach dem Frühstück am Bootssteg, wo unsere Kanus schon bereitstanden. Da wir ja bereits Praxis im Kanufahren hatten, dauerte es diesmal überhaupt nicht lange, bis wir uns alle in der Mitte des Sees trafen und uns ein gemütliches Plätzchen an einem netten Strand suchen konnten. Kurz gesucht, schnell gefunden. Wir ließen uns also an einem Strand mit besagten Charakteristika nieder und aufgrund des guten Wetters waren wir in der Lage uns zu sonnen und Baden zu gehen (freiwillig, aber auch unfreiwillig J).
Nachdem einige Zeit vergangen war und wir uns ausgiebig erholt hatten, begannen wir mittels unseres mitgebrachten, tragbaren Chemielabors mit einer Gewässeranalyse. Wir untersuchten den Säuregehalt des Wassers, die Charakteristika des Bodens und noch einiges mehr. Außerdem beschlossen wir ein Feuer anzuzünden, was sich ohne Feuerzeug und Streichhölzer als geradezu unmöglich herausgestellt hätte, wenn wir nicht auf polnischer Seite erfahrene Pfadfinder dabeigehabt hätten. So verbrachten wir schließlich auch den Nachmittag mit Sonnen, Baden, Kanufahren und Stockbrot rösten. Am Abend verfuhren wir dann nach bewährtem Muster, indem wir in den Pub gingen oder aber auch, was einige bevorzugten, in die Disco.
 
Samstag, 18. August 2001

Nach einer kurzen Nacht standen wir früh auf und gingen bzw. fuhren mit dem Taxi zum Bahnhof. Von Ruciana-Nida fuhren wir nach Maldyty, wo wir zwei Stunden auf unser Schiff warten mussten. Mit dem Schiff befuhren wir dann den Oberländischen Kanal, wo sich uns die Masuren in ihrer ganzen Schönheit und Unversehrtheit präsentierten. Als wir dann in Elblong ankamen, wo unser Zug nach Danzig abfahren sollte, hieß es Abschied nehmen von unseren polnischen Freunden, die uns den ganzen Aufenthalt in ihrem Land durch ihre Übersetzungen und ihre Ortskenntnisse, aber nicht zuletzt auch durch ihre Gastfreundlichkeit sehr erleichtert haben. Während unser Ziel also Danzig hieß, fuhren sie wieder zurück nach Warschau.

Spät Abends kamen wir dann in Danzig an, wo wir, mit Schwierigkeiten und mangelhaften Sprachkenntnissen konfrontiert, schließlich eine Straßenbahn zur Jugendherberge erwischten. Nach unserer doch etwas rückständigen Unterkunft in Ruciana-Nida waren wir von dieser neuen, topmodernen Unterkunft angenehm überrascht, die wir dann erst mal auf Schlaftauglichkeit testeten.
 
Sonntag, 19. August 2001

Nach der gestrigen anstrengenden Zugfahrt konnten wir heute erst einmal ausschlafen und anschließend ordentlich frühstücken. Den weiteren Vormittag verbrachten wir dann zusammen mit einer guten Freundin von Frau Wronecka, die in Danzig lebt und sich bereit erklärte uns die Stadt zu zeigen. Neben den beeindruckenden Kirchen und den Hafenanlagen hat Danzig aber auch eine sehr interessante Geschichte zu bieten, die man überall in der Stadt an bestimmten Bauwerken nachvollziehen kann. Und obwohl wir uns nach der Stadtführung gut informiert fühlten, waren doch tatsächlich nur zwei Stunden vergangen. Es geht also doch!
Nachdem wir also die Führung auf dem Danziger Marktplatz beendeten, kauften wir noch Ansichtskarten und Briefmarken (ohne polnische Sprachkenntnisse gar nicht einfach!) und ließen es uns gut gehen.
Am Abend trafen wir uns dann wieder mit Herrn Ivers und wollten uns ein echt polnisches Restaurant suchen. Wie bereits gesagt, bestehen da aber gewisse sprachliche Schwierigkeiten, wie wir auch bei diesem Vorhaben bemerken sollten. Da wir erst einmal überhaupt kein annehmbares Restaurant fanden, waren wir verzweifelt genug einen einheimischen Polizisten zu fragen, der uns entweder nicht verstand (unwahrscheinlich, da wir es mit drei Sprachen versuchten) oder uns auf den Arm nehmen wollte (sehr wahrscheinlich. Jedenfalls gab es in der von ihm beschriebenen Richtung nicht ein einziges Restaurant. Verzweifelt und hungrig aßen wir dann schließlich ägyptisch.

Montag, 20. August 2001

Und wieder einmal Koffer packen. Heute zum letzten Mal. Nach dem Frühstück fuhren wir mit der S-Bahn, die wir wie so vieles auf dieser Fahrt auch erst nach einigem Herumlaufen fanden, nach Zoppot. Da sich diese wirklich als Touristenstadt beschreiben lässt, brauchten wir erst einmal einige Zeit, um den Strand zu erreichen. Hier konnten wir ein letztes Mal vor der Heimreise richtig ausspannen. So setzten wir also unser Motto Erholung durch Baden und Zeitung Lesen um.
Zum Mittagessen trennten wir uns dann, wobei die eine Gruppe um Herrn Ivers ein einheimisches Fischrestaurant bevorzugte, während die anderen lieber mal etwas Neues ausprobierten. Sie gingen nach langem Herumsuchen schließlich in ein ägyptisches Restaurant (sieht noch jemand anders die Parallelen?).
Am Abend trafen wir uns rechtzeitig am Bahnhof, lösten unsere Koffer aus und bestiegen den Zug Richtung Heimat.
 
Fazit

Als wir die Reise antraten, gingen unsere Erwartungen weit auseinander. Einige befürchteten eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten und Schlössern besichtigen zu müssen, andere hofften auf viel Freizeit und damit auf eine reine Fun-Fahrt.
Natürlich haben wir uns auch die vielen Sehenswürdigkeiten der von uns besuchten polnischen Städte angesehen, aber da wir uns mit den polnischen Jugendlichen sofort gut verstanden, hatten wir auch in unserer Freizeit viel Spaß. Dass uns unsere polnischen Freunde viele Unannehmlichkeiten erspart und uns sehr geholfen haben, sieht man schon an den Verständigungsproblemen, die wir ohne sie in Danzig hatten.
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass uns allen der Aufenthalt in Polen sehr gefallen hat und dass wir uns bei unseren Freunden aus Polen noch einmal herzlich bedanken wollen. Vielleicht ist es uns möglich, über das Internet auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. In diesem Sinne: DANKE!


Nach oben

Zur Austausch-Seite.

Zur Aktuelles-Seite.

Zur Mottenkiste-Seite.