Goslarsche Zeitung vom 27.2.2009 - geringfügig verändert -

Beim Praktikum in die Zukunft geblickt
 

Über 130 Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums sammeln erste Berufserfahrungen in den Betrieben der Region

Von Nils Peters

Manchem wird es in den vergangenen drei Wochen aufgefallen sein: In den Betrieben der Region waren ungewöhnlich viele Schülerpraktikanten anzutreffen. 133 von ihnen kommen vom Werner-von-Siemens-Gymnasium. Die Verkürzung der gymnasialen Oberstufe auf zwei Jahre machte es erforderlich, dass der zehnte und elfte Jahrgang gleichzeitig am jährlichen Schüler-Betriebspraktikum teilnahmen. Daraus ergab sich die doppelte Anzahl an Praktikanten.
Das Schüler-Betriebspraktikum, das auf einen Erlass des Landes Niedersachsen zurückgeht, ist seit 1989 Pflicht. Es gibt den Schülern die Möglichkeit, sich auf die spätere betriebliche Arbeitssituation vorzubereiten. Mehr als 130 Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums nutzten dieses Jahr die Gelegenheit, in die verschiedenen Berufe hineinzuschnuppern. Fünf von ihnen hat Nils Peters, zurzeit Praktikant in der GZ-Redaktion Bad Harzburg, besucht und nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen gefragt.

Mein bisheriger Höhepunkt war das Treffen mit Ministerpräsident Christian Wulff bei der Plenarwoche“, berichtet Johanna Leiste aus Bettingerode.
Die 16-Jährige absolvierte ihr Betriebspraktikum im Niedersächsischen Landtag in Hannover. „Ich verfolge Ausschüsse oder besuche zusammen mit meiner betreuenden Abgeordneten Betriebe“, erzählt sie. Den teilweise über drei Stunden dauernden Ausschüssen konnte sie zwar gut folgen. „Nur manchmal ist es ein wenig langweilig, wenn dann endlos lange darüber diskutiert wird, ob es nun ’das Gesetz‘ oder ’dieses Gesetz‘ heißen soll.“

Johanna Leiste        Timo Albrecht  Zwei der Praktikanten: Johanna Leiste und Timo Albrecht.

Malte Engler untersucht eine Probe Mehl

Wichtig für ein qualitativ hochwertiges Mehl ist der Gehalt an Wasser, Stärke und Mineralstoffen. Diesen misst Malte Engler im Rahmen des Praktikums im Labor der Getreidemühle. Dabei wird das Mehl jeder Korn-Lieferung genau untersucht, um den Typ des Mehls zu bestimmen.

Fotos: Peters

Einer Landtagsabgeordneten über die Schulter schaute auch der 15-jährige Timo Albrecht. „Schon bei einem Schulbesuch zur Plenarwoche hat mich das alles sehr interessiert, daraufhin habe ich mich dann um eine Praktikumsstelle beworben“, erzählt der Bad Harzburger. Sein persönliches Highlight war eine Besichtigung des Atom-Zwischenlagers Gorleben.
Hart fand er die Arbeitszeiten eines Parlamentariers: „Es wird von 8 bis 17 Uhr durchgehend gearbeitet; teilweise sogar noch länger. Pausen gibt es nur, wenn gerade kein Termin anliegt. Man muss sehr flexibel sein“, hat Timo Albrecht festgestellt. Politiker zu werden, kann sich Timo Albrecht zwar vorstellen, aber erst einmal möchte er einen richtigen Beruf erlernen. „Falls das mit der Politik nicht klappt. Und man ist ja nicht auf Lebenszeit Politiker“, meint er.

Ein völlig anderes Berufsfeld hat sich der Lochtumer Malte Engler ausgesucht. Seit kurzem weiß er: „Bei der Qualität von Mehl kommt es auf den Stärke-, Wasser- und Aschegehalt an.“ Der 17-Jährige lernte in der Getreidemühle Erich Sack in Langelsheim die Arbeit eines Müllers kennen. Als Praktikant gehörte es zu seinen Aufgaben, Mehl abzusacken, also das Mehl in Säcke zu füllen. „Die erste Woche war es sehr anstrengend, die 25 und 50 Kilogramm schweren Säcke zu befüllen“, meint Malte Engler. „Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran“, fügt er hinzu.

Die Gastschülerin Valeria Pérez aus Argentinien ist für drei Monate in Deutschland und besucht die zehnte Klasse des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Das Praktikum machte die 17-Jährige in der Arztpraxis Dr. Carlos Mateo in Oker. Auch ihre Erfahrungen sind positiv. „Besonders gefällt mir der Kontakt mit den Leuten. Das hilft mir auch viel beim Deutschlernen.“ Die junge Argentinierin hofft, später von ihren Eindrücken profitieren zu können: „Nach der Schule möchte ich Medizin studieren.“

Der 17-jährige Heiner Köhler absolvierte sein Betriebspraktikum im Energieforschungszentrum Niedersachsen in Goslar. Auf die Idee kam er während eines Vortrags über erneuerbare Energien. In den vergangenen drei Wochen arbeitete der Immenröder bei Firmen, die sich der Erforschung und Produktion alternativer Energiequellen verschrieben haben. „Ich habe bei der Planung einer Klein-Windenergieanlage im Senegal mitgeholfen“, berichtet er. „Außerdem habe ich im Laser-Anwendungszentrum mithilfe eines Profilometers die Oberfläche verschiedener Membranen bestimmt“, erzählt Heiner Köhler. Später auf diesem Gebiet weiterzumachen kann sich der Gymnasiast vorstellen. Für ihn ist Energietechnik das „Arbeitsfeld der Zukunft“.

Valeria Perez
Valeria Pérez

Rechts: Im Laseranwendungszentrum misst Heiner Köhler mit einem Profilometer die Höhendifferenz auf den Oberflächen verschiedener Membranen.

Heiner Köhler vermisst die Oberfläche einer Membran


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