Vietnam Teil 3, Hanoi, Halong Bay, Sapa, Leben
Die Übersichtskarte zeigt unsere Reiseroute durch Thailand, Kambodscha und Vietnam.
Am 02.09. ging es los ab Frankfurt. Als erstes besuchten wir das reizvolle Thailand, mit seinen vielen Tempeln, Tuk-Tuks und schönen Sandstränden. Auf dem Landweg ging es weiter nach Kambodscha. Die Tempelanlagen von Angkor Wat sind einfach faszinierend. Über den Tonle Sap River ging es Richtung Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals Saigon) im Süden. Unsere Erfahrungen dort über das Leben, die Gebräuche und das Essen lesen Sie im Vietnam-Teil 1. Die Fortsetzung mit den Stationen weiter nördlich bis in den schmalen Mittelteil des Landes steht im Vietnam-Teil 2. Berichte aus dem Norden mit Ausflügen an die Küste und ins Bergland wie auch die Eindrücke aus der Hauptstadt Hanoi finden Sie im Vietnam-Teil 3.
Im Dezember 2004 flogen wir weiter nach Indien.
Erlebnisse aus Bombay und der Region Goa können Sie im Indien-Teil 1 nachlesen. Weitere Eindrücke aus Goa sind im Indien-Teil 2 zu finden. Im Indien-Teil 3 stehen die Berichte aus dem Süden des Subkontinents. Im Indien-Teil 4 gehts in den Nordwesten nach Agra und zum Taj Mahal. Im letzten Teil Indien-Teil 5 berichten wir von Dharamsala, der Stadt des Dalai Lama und der Hauptstadt Delhi. Unser Rückflug fand am 16.04. statt.

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Wasserpuppentheater in Hanoi
Das traditionelle Wasserpuppentheater in Hanoi.
 

29.11. - 20.11.2004 in Hanoi

Eine weitere Nachtfahrt mit dem Bus wollten wir uns nicht antun. Zudem waren die Straßen ohnehin überschwemmt, so nahmen wir dann kurzentschlossen einen Inlandsflug für 53$ nach Hanoi. Wir fanden nach einigem Suchen ein passables Hotel in der Altstadt. Die Stadt hat einen angenehmen Charme, ist aber ungeheuer laut (siehe unten). Gern hätten wir uns das Ho-Chi-Minh-Mausoleum angeschaut, doch es war leider geschlossen. Der Herr ist übers Jahresende zu Konservierungszwecken außer Haus. Auch gut. So beantragten wir unser auf 6 Monate begrenztes Visum (jeweils 51$) bei der Indischen Botschaft, einem sehr schönen Gebäude im Kolonialstil. Abends besuchten wir das berühmte Wasserpuppentheater. Dies ist eine sehr alte Kunst des Puppenspiels, die streng geheim nur innerhalb der männlichen Vertreter einer Familie weitergereicht wird. Die Spieler stehen hinter einem Bambusvorhang in hüfttiefem Wasser. Die Figuren werden über eine ausgeklügelte Mechanik bewegt. Dazu chinesisch klingende Musik auf Originalinstrumenten und allerlei unerwartetem Feuerwerk und Getöse.

 

 
Panorama in die Halong Bay
Abendstimmung in der Halong Bay.
 

01.12. - 05.12.2004 in Halong Bay und Cat Ba

Wir buchen eine Tour in die Halong Bay an der Ostküste, nicht weit von Hanoi. Die Gruppe, mit der wir diese Fahrt unternehmen, ist nett, unser Führer nennt sich "Smily" und macht seinem Namen alle Ehre.
Wir fahren mit einem großen altmodischen Ausflugsdampfer durch die malerische Bucht. Wir genießen die Sonne oben auf dem Sonnendeck und bewundern die unzähligen kleinen Inseln. Immer wieder neue Felsformationen. Die meisten sind unbewohnt, auf einigen sind einzelne Hütten zu sehen. Zu den Mahlzeiten gehen wir hinunter in den Speiseraum unter Deck. Unglaublich, welchen Gaumenschmaus die hier aus ihrer winzigen Küche im Heck zaubern! Auf dem Programm steht der Besuch einer großen Tropfsteinhöhle und natürlich Baden und Schnorcheln im glasklaren Wasser. Die Nacht verbringen wir in unserer separaten Schlafkoje mit Doppelbett und kleinem Bad. Ganz süß, aber das Schiff hat seine besten Jahre wohl schon hinter sich.
Am nächsten Morgen geht's weiter auf die Insel Cat Ba. Wir machen eine wunderschöne Wanderung über die Reisfelder. Wasserbüffel wälzen sich träge in den von der Mittagssonne erwärmten Wasserlöchern. Am liebsten würde ich es ihnen gleich tun! Der Anstand hält mich davon ab.
Wir rasten in einem kleinen Dorf. Man merkt, dass Touristen für die Bewohner noch ziemlich fremd sind. Die Menschen haben zwar alle einen Fernseher, leben aber sonst in einfachsten Verhältnissen. Wir erklimmen einen recht steilen Berg und bewundern von oben das friedliche Land unter uns.
Am Abend speisen wir mit der Gruppe in unserem Hotel. Den Sonnenuntergang im Meer genießen wir mit einem netten jungen deutschen Pärchen (es könnten tatsächlich unsere Kinder sein) hoch oben auf der Dachterrasse. Wir verlängern unseren Aufenthalt auf der Insel um zwei Tage.
Mit einem gemieteten Motorroller, fahren wir zu dem nahegelegenen Nationalpark und machen eine ausgiebige Wanderung. Es gibt auch recht hübsche Strände hier zwischen den Felsbuchten. Wir leisten uns eine Hängematte und faulenzen bei 22°C in der Sonne. Das würden wir ja sonst nicht tun, aber am 04. Dezember, mitten im Winter, da kann man ja nicht widerstehen!
Halog Bay und Cat Ba sind wirklich eine gute Empfehlung. Es gibt viele Angebote für Touristen und Hotels, aber im Grunde ist hier alles noch ziemlich am Anfang der Entwicklung. So gibt es hier noch keine ATM-Automaten. Diese kleinen Geräte haben wir überall in Vietnam und Thailand hoch geschätzt. So einfach wie am nächsten Nord/LB-Terminal bei uns in Deutschland gelangen wir mit einer normalen EC-Karte zu unserem Bargeld.
 

 

Terrassenförmige Reisfelder in Sapa, Nordvietnam
Reisfelder in Sapa, Nordvietnam.

Eine Hmong-Frau in typischer Tracht
Eine Hmong-Frau in typischer Tracht.

Herr Mettler versucht, das defekte "Wasserkraftwerk" zum Betrieb des Fernsehers zu reparieren.
Das defekte 12V-Wasserkraftwerk zum Betrieb des Fernsehers.

Kinder der sogenannten  Hilltribe-People
Kinder der sogenannten Hilltribe-People.

06.12. - 09.12.2004 in Sapa, Nordvietnam - Eine Reise in die Vergangenheit

Es ist so komisch, im Fernseher die Weihnachtsbilder aus Europa zu sehen, dazu Temperaturen unter Null Grad. Hier ist das so weit weg. Die kitschig blinkenden Plastik-Weihnachtsbäume wirken nicht wirklich überzeugend.
Wir waren gerade 3 Tage in den Bergen im äußersten Nordwesten Vietnams, einem kleinen Ort namens Sapa in 1500m Höhe. Wir haben sehr gefroren, nachts ging es bis auf 5 Grad herunter. Heizungen oder gemütliche Kamine in den Hotels gab es leider nicht. Dafür aber lange Trekkingtouren durch einzigartige Landschaften.
Eine Kanadierin, eine Amerikanerin, wir beide, in dieser kleinen Gruppe führt uns unsere Vietnamesin aus Hanoi die steilen Bergabhänge auf immer schmaleren Pfaden herunter. Unter uns die phantastische Terassenlandschaft mit ihren unzähligen Reisfeldern, in denen sich die Morgensonne spiegelt. Kein Wunder, dass diese Gegend hier so berühmt ist.
Mühsam in den Berg gehauen schmiegen sich die kleinen, wenige Quadratmeter großen Felder aneinander. Wir balancieren auf unserem langen Weg ins Tal immer wieder entlang der schmalen Ränder, an denen sich das Wasser staut. Ein Ausrutscher wäre schon unangenehm, entweder in tiefem braunen Schlamm zu versinken oder 2m ins untere Reisfeld hinabzustürzen. Die Wasserversorgung ist perfekt ausgeklügelt. Von einem Flusslauf ganz oben gespeist, teilt sich der Strom in immer kleinere Rinnsale auf und fließt so von Terasse zu Terasse. Wir kommen in mehrere Dörfer. Die hier ansässigen Hmong-People gehören zu den sogenannten Hilltribes, den schon seit Jahrhunderten die Berge bevölkerndern Minderheiten. Wir kennen das aus Museumsdörfern in Deutschland. Auch im ethnologischen Museum in Hanoi kann man sich die einfachen Holzhütten mit primitiver Feuerstelle ohne Rauchabzug in der Mitte des Raumes anschauen. Das wirklich Beeindruckende ist nur, dass es sich hier keineswegs um ein Museum handelt. Auch nicht um eine Rekonstruktion, um das Leben der einfachen Landbevölkerung vor 200 Jahren zu illustrieren. Das hier ist authentisch. Unser Lonely-Planet-Führer (die Bibel eines jeden Travellers weltweit) weist ausdrücklich darauf hin, dass die Frauen und Männer nicht verkleidet sind.
Die Frauen und Mädchen sind in dunkle tiefblaue Kleider gehüllt. Die für diesen Stamm hochspezifische Bekleidung wird im Dorf selbst gewebt und gefärbt. Grüne Indigoblätter werden in großen Töpfen gekocht. Die Hütten sind voller Dampf, ein starker Geruch benebelt uns die Sinne. Überall trocknen lange indigoblaue Stoffbahnen in der Sonne. Die Menschen begegnen uns scheu, aber freundlich. Von überall her plätschert Wasser. Enten und Gänse tummeln sich in kleinen Weihern. Dunkle Hängebauchschweine ziehen mit ihren Ferkeln durchs Dorf. Eine Idylle auf den ersten Blick. Kinder kommen herbei und glotzen uns an. Die Kleinen laufen bei dieser Kälte mit nackten Po und Füßen herum. Ich kann das kaum mit ansehen. Fast alle haben eine triefende Schnotternase. Die Kindersterblichkeit ist hoch.
Ich sehe ein Bambusrohr auf einen Kasten zulaufen. Ein Jugendlicher macht sich daran zu schaffen. Unsere Führerin fragt mich, ob ich helfen könne. Ich entdecke einen kleinen Generator. Er sieht aus wie eine alte Autolichtmaschine. Darunter ein kleines Wasserrad. Sie produzieren auf diese Weise Strom für ihre Fernsehgeräte. Die Rotorzentrierung ist gebrochen. Leider kann ich ohne Werkzeug nichts machen.
Die Aufgabe der Jungen besteht aus Feldarbeit und dem Hüten der Wasserbüffel, die überall frei herumlaufen. Die Mädchen helfen beim Weben und Färben. Immer häufiger machen sich die Halbwüchsigen auf den Weg ins nahegelegene Sapa, um dort Kleidung und allerlei Ramsch zu verkaufen.
Zwei Kulturen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, treffen vor den großen Hotels aufeinander. Ein kurioser Anblick. Westliche Traveller in typisch lässiger plumper Kleidung, umgeben von Trauben von Frauen und Mädchen in bunter Tracht. Unglaublich, wie schnell die Jüngeren lernen. In recht flüssigem Englisch werden wir angesprochen und in ein kleines Gespräch verwickelt. Natürlich mit der Absicht, uns etwas zu verkaufen oder uns als Guide zu dienen. Einige nehmen die Traveller an die Hand, albern mit ihnen herum. Ich sah junge Hmong-Mädchen im Internetcafé mit Travellern vorm Computer sitzen und Englisch üben.
Die Minderheiten in Vietnam, immerhin etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, haben weitgehende Autonomie. Sie haben jahrelang der Vermischung mit den Vietnamesen im Tal widerstanden. Wir sahen die Dörfer verschiedener Stämme, die keinen Kilometer weit auseinaner lagen. Sie hatten eine andere Sprache, andere Kleidung, eine andere Kultur. Die Auswirkungen des durch mangelnden Austausch bedingten sehr begrenzten Genpools war einigen Kindern allerdings deutlich anzusehen.
Noch nicht einmal 10 Jahren sind vergangen, seit sich diese Region dem Tourismus geöffnet hat. Die Auswirkungen sind ungeheurlich.
 

 
Holzgeschitztes Paar auf einem Grabmal
Diese Figuren stehen auf einem Grabmal.
 

10.12.2004, letzter Tag in Hanoi, Vietnam

Die Nachtfahrt von Sapa nach Hanoi im Softsleeper war sehr angenehm. Morgens um 4:30 Uhr am Bahnhof ist schon der Teufel los. Schon am Bahnsteig lotst uns ein Schlepper zu seinem Taxi. Wir folgen ihn mit vollem Gepäck an allen Taxis vorbei und stehen plötzlich vor zwei Motorrollern. Sein Kumpel wartet schon. Wir winken entnervt ab und finden sofort ein anderes Taxi. Der Fahrer verlangt, wie üblich, einen viel zu hohen Preis für die 3 km zu unserem Hotel. Wir kennen ja mittlerweile die Preise und bieten ihm 25 000 Dong, ca. 1,50 Euro. Er nickt widerwillig und brettert nachts um 4:40 Uhr permanent laut hupend mit ca. 85 km/h durchs nächtliche Hanoi.
Am nächsten Morgen fahren wir ins ethnologische Museum. Es liegt ca. 10 km außerhalb, am Rande der Stadt. Wir nehmen ein Taxi mit Taxameter. Die Anzeige schneckt die ersten 5 Minuten nur so dahin. Das kann ja nicht teuer werden. So denke ich jedenfalls. Auf einmal tickt das Gerät scheinbar im Sekundentakt. Der Hund muss irgendeinen Hebel am Armaturenbrett umgelegt haben. Auf unser Nachfragen hin versteht er plötzlich kein Englisch mehr. Na ja, 80 000 Dong, ca. 5 Euro, machen uns nicht wirklich arm und irgendwie muss man sich an den Touristen ja schadlos halten. Auf der Rückfahrt benutzten wir einen öffentlichen Bus. Es ist immer wieder aufregend zu sehen, wie der Normalbürger sich in einem Land fortbewegt. Der Bus war gerammelt voll. Ohrenbetäubende Musik dröhnte aus allen Lautsprechern. Nach 10 Minuten bot mir ein junger Mann einen Sitzplatz an (Sehen wir schon so alt aus, oder war das Respekt vor den sonderbaren Fremdlingen?). Überhaupt, vom Busfahrer, einer älteren Dame und uns abgesehen, war keine Person über 35 Jahre alt. Welch ein junges Land …
Zu empfehlen ist das ethnologischen Museum. Man erfährt hier alles über die Entwicklung und Traditionen dieses interessanten Landes, über die verschiedenen Bauformen der Hütten der Hügelstämme (siehe auch Bericht über Sapa) und die Beerdigungsriten.
 

 
Eine Werkstatt auf dem Gehweg
Schweißarbeiten in einer "offenen" Werkstatt.

Für die kleine Mahlzeit zwischendurch: ein Straßenimbiss
Nicht weit davon entfernt ein Straßenimbiss.

Frau wäscht Kleinkind auf dem Trottoir
Auch das gehört zum Leben auf den Trottoirs: Kleinkinder werden gebadet.

Trocknende Kräuter zwischen zwei Motorrollern
Bester Ort zum Trocknen von Kräutern ...
 

10.12.2004 in Hanoi: Leben auf der Strasse, oder:
    Wanderer kommst du nach Vietnam, vergiss die Ohrstöpsel nicht ...

In Großstädten wie Ho Chi Minh City, Hanoi oder Nathrang ist das Verkehrsaufkommen hoch und der Lärm zu Stoßzeiten unbeschreiblich. Jeder kennt das beständige gleichmäßige Rauschen von Autos auf mehrspurigen Strassen durch unsere Innenstädte, unterbrochen allenfalls vom aufbrausenden Temperament jugendlicher Motorradfahrer oder vom nervigem Quietschen einer Bus- oder Straßenbahnbremse. Geschenkt! In vietnamesischen Großstädten pressen sich Hunderttausende von Motorrollern wie überbreite riesige Ameisenkolonnen durch schmale Straßen. Ein ungeheuerliches Gewühl an Menschen entsteht in der Mitte einer ampel- und verkehrszeichenlosen Kreuzung, wenn sich die Ströme aus allen Himmelsrichtungen durchmischen. Allein, zu zweit, zu dritt oder gar zu viert sitzen die Verkehrsteilnehmer/innen auf Hondas und Suzukis gequetscht. Wohl dem, der jetzt einen sicheren Platz auf dem Gehweg hat und die Straße nicht gerade jetzt überqueren muss. Rechts vor links wird sicherlich irgendwann einmal eingeführt werden, aber das ist noch Zukunftsmusik. Für uns Deutsche absolut unbegreiflich, funktioniert das ganze auch noch ohne Unfälle! Irgendwie entwirrt sich jedes dieser chaotischen Knäuel immer wieder für einige Sekunden, um dann aufs Neue wieder zu entstehen. Anarchie pur? Eine Regel meine ich erkannt zu haben: Jeder achte gefälligst auf sich selbst. Wie lästig ist es doch bei uns, steht man doch schnell mit einem oder beiden Beinen im Gefängnis. Hier ist das anders: Ein jeder schaut immer geradezu nach vorn. Was hinter oder neben ihm ist, wird prinzipiell nicht wahrgenommen. Das gilt für Autos, Motorräder und Fußgänger. Man schießt von rechts, von links, von hinten, von vorn einfach in den fließenden Verkehr hinein und hupt laut und anhaltend. Das ist das ganze Geheimnis. Wer beachtet werden will, muss hupen, und das nicht zu knapp! Autos und Busse polyphon und extrem laut. Ich habe nie gewusst, wie schön lautstark und vielfältig unsere vierrädrigen Verkehrsgefährten klingen können! Vor allem die Busse. Die Hondas sind leider noch monophon, aber das ändert sich bestimmt bald. Wer nicht hupt, hat keine Chance sich durchzusetzen. Der Versuch als Fußgänger, ein anvisiertes Ziel in der Stadt zu erreichen, gleicht einem Spießrutenlauf. Natürlich wurden z.B. in Hanoi unter französischer Regie breite Trottoirs angelegt, nur haben die Vietnamesen deren ursprünglichen Sinn nicht so richtig erkannt. Der Gehweg wird intensiv genutzt. Als Parkfläche für die Heerscharen von Hondas (hier ein Synonym für Motorroller), als Verkaufsfläche für allerlei Schnickschnack, als Arbeitsbereich zum Reparieren defekter Motoren, zum Schweißen, Schleifen, Lackieren, Waschen, Babybaden, Bügeln und Haaresschneiden. Und vor allem zum Essen.
Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, wann ein Durchschnittsvietnamese seine Mahlzeiten zu sich nimmt. Man sieht ständig irgendjemanden irgendeine Schale mit irgendetwas vor seinen Mund halten. Mindestens dreimal am Tag allerdings verwandeln sich ganze Bereiche des Bürgersteigs in ein Open-Air-Lokal. Verständlich, dass man als Fußgänger ausweichen muss. Nun ist die Strasse aber unglücklicherweise schon voll mit Hondas und Autos. Egal. Man geht trotzdem, man wird ja kurz vor dem potentiellen Zusammenstoß laut angehupt. Monophon: ist nur 'ne Honda, leichter Schritt zur Seite und hoffen, dass gerade keiner rechts überholt. Polyphon: Bus oder Auto, nichts wie weg. Zweimal sind wir von einem Roller schon touchiert worden, über die Beinahunfälle möchte ich hier nicht schreiben.
Ach ehe ich's vergesse, das ist noch nicht alles: Lautes Hupkonzert, hektischer Zickzacklauf des puren Überlebens wegen, verzweifelter Versuch eine gewisse Orientierung zu behalten und dann in ununterbrocher Folge: "Hello, motorbike? No, thank you ... Hello, motorbike? No, thank you ... Hello, cyclo? No, thank you ... Hello mister, you wonna buy something? No, thank you ..." Es ist schon schwer, da die Nerven zu behalten, aber was wollen wir da meckern. Diese Menschen verdienen so ihren Lebensunterhalt, während wir nur in Ruhe und äußerst preiswert dazu ein bisschen lustwandeln wollen.
Gerne hätte ich das eine oder andere weitere Foto von dem lebhaften Treiben geschossen, aber ich wollte die stolzen Vietnamesen nicht durch zu viel Voyeurismus verletzen.

Dieses Land ist wirklich ein sehr quirliges und sehr sympathisches Land, nur ein bisschen zu laut ...

 
 
   

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